Alvis Hermanis (Das Neue Theater Riga/Lettland)

Long Life

«Long Life» kommt ganz ohne Worte aus. Erzählt wird von fünf alten Menschen, die in einer Rigaer Kommunalwohnung leben und als Verlierer der grossen Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts gelten können. Rechts auf der Bühne ist die Küche, links das Klo, und dazwischen drei Zimmer, angefüllt mit einem Universum von Krimskrams und Krempel. Der Clou: Die fünf SchauspielerInnen, die in dieser Altershölle vegetieren, sind allesamt jung... 

Der Apfel der Versuchung wird vom ältlichen Verehrer fein klein geschnitten dargeboten. Unterstützt durch ein E-Piano und Mikrofon, singt er seiner Angebeteten ein Lied, in das sie zögernd einstimmt. Zwei dünne, alte Stimmen, oft mehr Vibrato als Ton, erklingen – es entsteht eine wunderbare Liebesszene mit derben Untertönen. Diskreter sah man Verführung nie! 

«Kein Wunder, dass Alvis Hermanis und sein Neues Rigaer Theater als eine der heissesten Entdeckungen der europäischen Theaterszene gelten. Sein Theater ist problemlos transponierbar, funktioniert ohne Worte, ist überall verständlich. Was man sieht, erwartet uns alle. Nicht nur deshalb lohnt es, genauer hinzusehen. Nicht alles ist schrecklich, und selbst unter den offensichtlichen Wendeverlierern keimt Humor und Lebenslust.» (Christina Tilmann, Der Tagesspiegel)

Alvis Hermanis leitet seit 1997 das Neue Theater Riga, ein zeitgenössisches Repertoiretheater im Zentrum der Stadt. Viele seiner Produktionen wie «Sonja«, «Latvian Stories», «The Sounds Of Silence» oder «Väter» werden weltweit auf internationalen Festivals gezeigt. 2007 erhielt er den Europäischen Theater-Preis «New Realities in Theatre» in Thessaloniki. Ausserdem wurde Alvis Hermanis mit dem Nestroy-Preis 2010 als bester Regisseur für seine Inszenierung von «Eine Familie» von Tracy Letts am Wiener Akademietheater ausgezeichnet.


Reinhören: Beitrag Radio DRS 2


Mitglieder des FSK, des Jugendclubs der Kaserne Basel, besuchen die Vorstellung vom Fr 3.2. zum reduzierten Eintritt von CHF 12.-