Culturescapes China: Heiler werden / Treatment

Capriconnection / Living Dance Studio (CH/CN)

MI 17.11.
Heiler werden 19:30 | Treatment 21:00
FR 19.11.
Heiler werden 19:30 | Treatment 21:00
Ein Projekt – Zwei Teams: Ein chinesisch-schweizerischer Dialog über heilende Kräfte
«Heiler werden/Treatment» ist ein Doppelprojekt der freien Schweizer Theatergruppe CapriConnection und des unabhängigen chinesischen Living Dance Studios zum Themenkomplex des Heilens. Ausgehend von den Begriffen ‹Krankheit› resp. ‹Heilung› messen die beiden Gruppen den Puls ihrer Zeit und begeben sich in ihren jeweiligen kulturellen und künstlerischen Kontexten auf die Suche nach verschiedenen Heilsversprechen. Die Uraufführung fand im Oktober 2009 im Rahmen des Crossing Festivals in der CCD Workstation in Peking statt.

Dieses Projekt ist Teil des Programms «Swiss Chinese Cultural Explorations» der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.


«Heiler werden» von CapriConnection

Auf der Suche nach dem ultimativen Heilerlebnis begeben sich CapriConnection auf eine Reise vom schweizerischen Emmental ins chinesische Quingdao. In Lützelflüh treffen sie auf die Naturheilerin Rosmarie Megert. Diese führt CapriConnection in eine Welt ein, in der sonderbare Dinge geschehen. Mit ihr lernen sie unter anderem das finnische Tieftrancemedium Aulikki und den ältesten Heiler der Schweiz kennen. In China treffen CapriConnection auf zwei aussergewöhnliche Meister des Ch’ikung: Frau Cao, einer ehemaligen Arbeiterin in einem Sägewerk, und Dr. Li Yong, der trotz Verbote während der Kulturrevolution die Tradition seiner Familie bis heute weiterführt. Mit ihnen gerät die Gruppe in die Spirale des chinesischen Turbokapitalismus und mutiert zu Überbringern von Heilsbotschaften an die westliche Welt, die an Fettsucht, Depression und Bluthochdruck leidet. Die Dinge werden immer abstruser, je eindeutiger man sie zu beschreiben versucht.

Die Arbeiten von CapriConnectionbasieren auf dokumentarischem und biografischem Material, welches in Form von persönlichen Begegnungen, Interviews und sonstigen Recherchen gesammelt, transkribiert und archiviert wird.


«Treatment» von Living Dance Studio

In der chinesischen Tradition bezieht sich der Begriff ‹Krankheit› in erster Linie auf den Körper. Doch heute beziehen die Menschen den Begriff immer mehr auch auf zwischenmenschlichen Beziehungen und die Gesellschaft als Ganzes. Regisseur Wu Wenguang, sieht den Vorgang, vor einer kranken Gesellschaft wegzurennen, die man gleichzeitig ertragen muss, als wiederkehrendes Motiv der heutigen chinesischen Gesellschaft. Für dieses Wegrennen und Aufeinanderprallen steht eine künstlerische Aktion während der Aufführung: 100 Paar Schuhe durchwandern unabhängig voneinander während des Stückes permanent die Bühne.

In «Treatment» treten verschiedene Patienten auf, welche unterschiedliche körperliche oder seelische Leiden haben. Da ist zum Beispiel ein Mann, der aus seiner ländlichen Heimat in die Stadt kommt, um Arbeit zu finden. Eines Nachts verliert er seine Frau, und als er nach ihr zu suchen beginnt, verliert er sich schliesslich selbst...

Das Living Dance Studio wurde 1994 von der Tänzerin und Choreografin Wen Hui und dem Dokumentarfilmer und Regisseur Wu Wenguang als unabhängige Tanzperformance-Company in Peking gegründet. 2005 eröffnen sie das Kulturzentrum CCD Workstation. Dort veranstalten sie jährlich das May Festival und das Crossing Festival für Tanz, Performance und Dokumentarfilm. Living Dance Studio-Produktionen waren an zahlreichen internationalen Festivals zu sehen. In der Schweiz waren sie zuletzt am Zürcher Theater Spektakel 2004 mit der Produktion «Report on 37.8» zu Gast, für welche ihnen der Förderpreis verliehen wurde.