Culturescapes China: Heiler werden / Treatment
CapriConnection / Living Dance Studio (CH/CN)
Ein Projekt – Zwei Teams: Ein chinesisch-schweizerischer Dialog über heilende Kräfte von CapriConnection und Living Dance Studio
«Heiler werden/Treatment» ist ein Doppelprojekt der freien Schweizer Theatergruppe CapriConnection und des unabhängigen chinesischen Living Dance Studios zum Themenkomplex des Heilens. Ausgehend von den Begriffen «Krankheit» resp. «Heilung» messen die beiden Gruppen den Puls ihrer Zeit und begeben sich in ihren jeweiligen kulturellen und künstlerischen Kontexten auf die Suche nach verschiedenen Heilsversprechen. Die Uraufführung fand im Oktober 2009 im Rahmen des Crossing Festivals in der CCD Workstation in Peking statt.
Dieses Projekt ist Teil des Programms «Swiss Chinese Cultural Explorations» der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. www.prohelvetia.ch/china
«Heiler werden» von CapriConnection | 19:30 Uhr
Auf der Suche nach dem ultimativen Heilerlebnis begeben sich CapriConnection auf eine Reise vom schweizerischen Emmental ins chinesische Quingdao. In Lützelflüh treffen sie auf die Naturheilerin Rosmarie Megert. Diese führt CapriConnection in eine Welt ein, in der sonderbare Dinge geschehen. Mit ihr lernen sie unter anderem das finnische Tieftrancemedium Aulikki und den ältesten Heiler der Schweiz kennen. In China kreuzen sich die Wege mit denen zweier außergewöhnlicher Meister des ch’ikung: Frau Cao, einer ehemaligen Arbeiterin in einem Sägewerk, und Dr. Li Yong, der trotz Verbote während der Kulturrevolution die Tradition seiner Familie bis heute weiterführt. Mit ihm gerät die Gruppe in die Spirale des chinesischen Turbokapitalismus und mutiert zu Überbringern von Heilsbotschaften an die westliche Welt, die an Fettsucht, Depression und Bluthochdruck leidet. Die Dinge werden immer abstruser, je eindeutiger man sie zu beschreiben versucht. Wo die Spieler von CapriConnection mit Worten nicht mehr weiterkommen, treten die beiden elektronischen Musiker Yan Jun (Peking) und Niki Neecke (Basel) in Aktion, um das Publikum in Schwingungen zu versetzen.
Die Arbeiten von CapriConnection basieren auf dokumentarischem und biografischem Material, welches in Form von persönlichen Begegnungen, Interviews und sonstigen Recherchen gesammelt, transkribiert und archiviert wird. «Heiler werden» ist die fünfte Produktion von CapriConnection. In Zusammenarbeit mit der Schola Cantorum Basiliensis erarbeitete CapriConnection zuletzt im Juni 2010 «Ars moriendi», ein Musiktheater über die Kunst des Sterbens.
«Treatment» von Living Dance Studio | 21:00 Uhr
In der chinesischen Tradition bezieht sich der Begriff «Krankheit» in erster Linie auf den Körper. Doch heute fangen die Menschen an zu realisieren, dass «Krankheit» auch den Geist, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Gesellschaft als Ganzes betreffen kann. Der Vorgang, vor etwas wegzurennen, das man gleichzeitig ertragen muss, ist, laut Wu Wenguang, Regisseur von Living Dance Studio, zu einem wiederkehrenden Motiv in der chinesischen Gesellschaft geworden.
Symptomatisch für das Wegrennen und Aufeinanderprallen ist die künstlerische Aktion von Xin Jin während der Aufführung: 100 Paar Schuhe durchwandern unabhängig voneinander während des Stückes permanent die Bühne. Jeder einzelne Schuh ist auf der Suche nach sich selbst, und dennoch entfalten sie ihre Wirkung erst als Ganzes. In «Treatment» treten verschiedene «Patienten» auf, welche unterschiedliche körperliche oder seelische Leiden haben. Da ist zum Beispiel ein Mann, der aus seiner ländlichen Heimat in die Stadt kommt, um Arbeit zu finden. Eines Nachts verliert er seine Frau, und als er nach ihr zu suchen beginnt, verliert er sich schliesslich selbst...
Wang Hongjuns Dokumentarfilm «The 100 Patients of Dr. Jia», dessen Projektion zur Folie und zum Mitspieler des Bühnengeschehens wird, beleuchtet die Schicksale «realer» Patientinnen und Patienten in einer chinesischen Arztpraxis. Anders als in den westlichen Kulturen, ist diese Praxis kein geschützter Raum, sondern ein «öffentlicher Raum», in dem es nur dann so etwas wie Intimität gibt, wenn kein anderer Patient zugegen ist.
Living Dance Studio wurde 1994 von der Tänzerin und Choreografin Wen Hui und dem Dokumentarfilmer und Regisseur Wu Wenguang als unabhängige Tanzperformance-Company in Peking gegründet. Die Eröffnung des Kulturzentrums CCD Workstation, dem auch ein Video-Archiv angehört, erfolgte 2005. Seither veranstalten sie jährlich das May Festival und das Crossing Festival, an denen sie neben eigenen Kreationen internationalen und jungen chinesischen KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz, Performance und Dokumentarfilm eine Plattform bieten.
Ihre Produktionen «Report on Giving Birth», «Dance with Migrant Workers», «Report on Body» oder «Time / Space» wurden in Peking uraufgeführt und waren danach an zahlreichen internationalen Festivals in Europa und Nordamerika zu sehen. Zuletzt waren sie in der Schweiz am Zürcher Theaterspektakel mit «Report on 37.8» zu Gast, wo ihnen 2004 bereits der Förderpreis verliehen wurde.
«Heiler werden/Treatment» ist ein Doppelprojekt der freien Schweizer Theatergruppe CapriConnection und des unabhängigen chinesischen Living Dance Studios zum Themenkomplex des Heilens. Ausgehend von den Begriffen «Krankheit» resp. «Heilung» messen die beiden Gruppen den Puls ihrer Zeit und begeben sich in ihren jeweiligen kulturellen und künstlerischen Kontexten auf die Suche nach verschiedenen Heilsversprechen. Die Uraufführung fand im Oktober 2009 im Rahmen des Crossing Festivals in der CCD Workstation in Peking statt.
Dieses Projekt ist Teil des Programms «Swiss Chinese Cultural Explorations» der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. www.prohelvetia.ch/china
«Heiler werden» von CapriConnection | 19:30 Uhr
Auf der Suche nach dem ultimativen Heilerlebnis begeben sich CapriConnection auf eine Reise vom schweizerischen Emmental ins chinesische Quingdao. In Lützelflüh treffen sie auf die Naturheilerin Rosmarie Megert. Diese führt CapriConnection in eine Welt ein, in der sonderbare Dinge geschehen. Mit ihr lernen sie unter anderem das finnische Tieftrancemedium Aulikki und den ältesten Heiler der Schweiz kennen. In China kreuzen sich die Wege mit denen zweier außergewöhnlicher Meister des ch’ikung: Frau Cao, einer ehemaligen Arbeiterin in einem Sägewerk, und Dr. Li Yong, der trotz Verbote während der Kulturrevolution die Tradition seiner Familie bis heute weiterführt. Mit ihm gerät die Gruppe in die Spirale des chinesischen Turbokapitalismus und mutiert zu Überbringern von Heilsbotschaften an die westliche Welt, die an Fettsucht, Depression und Bluthochdruck leidet. Die Dinge werden immer abstruser, je eindeutiger man sie zu beschreiben versucht. Wo die Spieler von CapriConnection mit Worten nicht mehr weiterkommen, treten die beiden elektronischen Musiker Yan Jun (Peking) und Niki Neecke (Basel) in Aktion, um das Publikum in Schwingungen zu versetzen.
Die Arbeiten von CapriConnection basieren auf dokumentarischem und biografischem Material, welches in Form von persönlichen Begegnungen, Interviews und sonstigen Recherchen gesammelt, transkribiert und archiviert wird. «Heiler werden» ist die fünfte Produktion von CapriConnection. In Zusammenarbeit mit der Schola Cantorum Basiliensis erarbeitete CapriConnection zuletzt im Juni 2010 «Ars moriendi», ein Musiktheater über die Kunst des Sterbens.
«Treatment» von Living Dance Studio | 21:00 Uhr
In der chinesischen Tradition bezieht sich der Begriff «Krankheit» in erster Linie auf den Körper. Doch heute fangen die Menschen an zu realisieren, dass «Krankheit» auch den Geist, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Gesellschaft als Ganzes betreffen kann. Der Vorgang, vor etwas wegzurennen, das man gleichzeitig ertragen muss, ist, laut Wu Wenguang, Regisseur von Living Dance Studio, zu einem wiederkehrenden Motiv in der chinesischen Gesellschaft geworden.
Symptomatisch für das Wegrennen und Aufeinanderprallen ist die künstlerische Aktion von Xin Jin während der Aufführung: 100 Paar Schuhe durchwandern unabhängig voneinander während des Stückes permanent die Bühne. Jeder einzelne Schuh ist auf der Suche nach sich selbst, und dennoch entfalten sie ihre Wirkung erst als Ganzes. In «Treatment» treten verschiedene «Patienten» auf, welche unterschiedliche körperliche oder seelische Leiden haben. Da ist zum Beispiel ein Mann, der aus seiner ländlichen Heimat in die Stadt kommt, um Arbeit zu finden. Eines Nachts verliert er seine Frau, und als er nach ihr zu suchen beginnt, verliert er sich schliesslich selbst...
Wang Hongjuns Dokumentarfilm «The 100 Patients of Dr. Jia», dessen Projektion zur Folie und zum Mitspieler des Bühnengeschehens wird, beleuchtet die Schicksale «realer» Patientinnen und Patienten in einer chinesischen Arztpraxis. Anders als in den westlichen Kulturen, ist diese Praxis kein geschützter Raum, sondern ein «öffentlicher Raum», in dem es nur dann so etwas wie Intimität gibt, wenn kein anderer Patient zugegen ist.
Living Dance Studio wurde 1994 von der Tänzerin und Choreografin Wen Hui und dem Dokumentarfilmer und Regisseur Wu Wenguang als unabhängige Tanzperformance-Company in Peking gegründet. Die Eröffnung des Kulturzentrums CCD Workstation, dem auch ein Video-Archiv angehört, erfolgte 2005. Seither veranstalten sie jährlich das May Festival und das Crossing Festival, an denen sie neben eigenen Kreationen internationalen und jungen chinesischen KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz, Performance und Dokumentarfilm eine Plattform bieten.
Ihre Produktionen «Report on Giving Birth», «Dance with Migrant Workers», «Report on Body» oder «Time / Space» wurden in Peking uraufgeführt und waren danach an zahlreichen internationalen Festivals in Europa und Nordamerika zu sehen. Zuletzt waren sie in der Schweiz am Zürcher Theaterspektakel mit «Report on 37.8» zu Gast, wo ihnen 2004 bereits der Förderpreis verliehen wurde.
