Chris Leuenberger & Marcel Schwald «Kreutzberg»

1955 zieht der Startänzer Harald Kreutzberg in die Schweiz und gründet eine Tanzschule in Bern. Sein kometenhafter Aufstieg in der Hochphase des Ausdruckstanzes hat ihm ungebrochenen Erfolg beschert, auch während des Dritten Reichs. In Bern unterrichtete er danach junge Menschen aus allen Teilen der Welt.
Durch Zufall wurden der Choreograf Chris Leuenberger und der Regisseur Marcel Schwald auf dieses wenig bekannte Kapitel der Schweizer Tanzgeschichte aufmerksam. Hilde Niederer, eine von vier ehemaligen Kreutzbergschülerinnen, die heute zwischen 75 und 85 Jahre alt sind und mit denen Leuenberger und Schwald für das Projekt in Kontakt standen, tanzt auf der Bühne mit. «Kreutzberg» bringt so zwei Künstlergenerationen mit tänzerischen, dokumentarischen und multimedialen Mitteln auf die Bühne. Für seine Tanztechnik vergöttert, für seine Auftritte in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs kritisiert, umgeben Kreutzberg dabei offene Fragen, denen die beiden Generationen auf den Grund gehen. «Kreutzberg» wurde 2014 mit dem Schweizer Tanzpreis «Kulturerbe Tanz» ausgezeichnet.

«Die schwerelosen schnellen Schritte, die gebogenen Knie, die leicht nach hinten gelehnten Torsi: Wie lebendig gewordene Skulpturen gleiten die Tanzenden über die Bühne. Mal ein kleiner Hüpfer wie bei einem Volkstänzchen, mal ein Innehalten, als setzte die Zeit für einen Moment aus. Und immer wieder diese eleganten Arme, die wie stolze Schwanenhälse in den Raum ragen und den Körper zu einem Monument der Anmut machen: Auf so sinnliche Weise kann wohl nur der Tanz einem historischen Dokument Leben einhauchen. […] Diese Bewusstheit des Vorgehens, dieses überlegte Abtasten und dieses lustvolle Auflebenlassen eines tänzerischen Werks machen den Abend denkwürdig – oder anders gesagt: Der Geist, der fängt bei «Kreutzberg» an zu tanzen.» Der Bund

Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung vom 25.2.
Künstlerische Leitung: Chris Leuenberger, Marcel Schwald
Bühne, Video, Sound, Licht: Patrick Becker mit Melchior B. Tacet und Max Hampel
Kostüm: Senta Amacker, Salome Egger
Tanz: Hilde Niederer, Jenny Beyer, Chris Leuenberger
unter der Mithilfe von Anita Bürki, Helga Gomolka, Liselotte Haas
SprecherInnen: Susanne Abelein, Katharina Bohny, Benjamin Mathis, Patricia Nocon, Julia Schmidt
Wissenschaftliche Mitarbeit: Marcel Behn
Grafik: Corina Künzli
Produktionsleitung: Sabine Jud

Eine Koproduktion zwischen Chris Leuenberger Produktionen und der Dampfzentrale Bern. Residenzen am Tanzhaus Zürich und DeVIR CAPa Centro de Artes Performatives do Algarve. Mit freundlicher Unterstützung vom Bundesamt für Kultur, Kultur Stadt Bern, SWISSLOS/Kultur Kanton Bern, Burgergemeinde Bern, Migros-Kulturprozent, Ernst Göhner Stiftung, Stanley Thomas Johnson Stiftung, Bürgi-Willert-Stiftung, Sophie und Karl Binding Stiftung. Dank an Dampfzentrale Bern, Tanzhaus Zürich, Deutsches Tanzarchiv Köln, Schweizer Tanzarchiv, Schweizerische Theatersammlung, Wilfried van Poppel, Marianne Mühlemann, Therese und Peter Huber