It’s The Real Thing – Basler Dokumentartage 17

5. – 9. April 2017

In der dritten Ausgabe unter der Leitung des Basler Regisseurs Boris Nikitin beschäftigt sich das schweizweit einzigartige Festival mit dem dunklen Clown des Dokumentarischen: der Satire. Zum Programm in der Kaserne Basel und im ROXY Birsfelden gehören internationale Gastspiele, Vorträge, Workshops und experimentelle Exkursionen.

Eigentlich eine Kunstform, welche die Wirklichkeit verspottet, scheint die Satire derzeit das Paradigma der Gegenwart zu sein. Denn Satire, das ist die stete Simulation der Krise, stellt sie doch die Wirklichkeit nicht einfach dar, sondern übertreibt, polemisiert, karikiert, irritiert und verschiebt die Grenzen des Vertretbaren oder löst sie komplett auf. Sie ist gewissermassen das Dokumentarische im Fieberzustand.
Satire spielt die Wirklichkeit als Spiel. Dabei testet sie nicht nur die Vorstellungen dessen, was als wahr oder wertvoll gilt, sondern auch die Mittel, mit denen wir diese tagtäglich auszudrücken versuchen. Ihr Modus ist die Grenzüberschreitung. Kein Wunder, dass Politik, Werbung und Journalismus sich unter dem Druck des Wettbewerbs um Aufmerksamkeit derzeit immer mehr satirische Techniken aneignen: Abstimmungsplakate als Karikatur, Karneval der Information, vollendete Auflösung der Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Die Basler Dokumentartage begeben sich 2017 in die Grauzonen des Realen. Dorthin, wo die Zeichen sich ihren eindeutigen Zuschreibungen entziehen, ihre Bedeutungen zum Schillern gebracht werden, wo zwischen E und U alles unklar und von einer ambivalenten Ironie ist, wo man nicht mehr weiss, ob man das darf oder nicht darf, ob etwas korrekt oder unkorrekt, real oder fake ist und wo im Sumpf zwischen Trash und Glamour eines der rätselhaftesten Konzepte aufscheint, welche das Sprechen über die Welt hervorgebracht hat: das Dilemma der menschlichen Freiheit.