SPOT 2010 Basel: Ein Warngedicht

Tamer Yiğit & Branka Prlić

Der Filmemacher und Regisseur Tamer Yiğit war sechs Monate lang Gast an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule in Berlin Kreuzberg. Auf dem Schulhof führte er Gespräche mit Jugendlichen über ihren Hauptschulalltag. Ihre Erfahrungen, Sehnsüchte und Fragen bilden die Grundlage für «Ein Warngedicht».
Vier junge Leute, Knut und Toni, Ali und Tabut, der «Waldorf-Indianer», der mit der Wand tanzt, stehen nebeneinander und erschöpfen sich im Deklinieren von Verben. Sie reden gegen die inneren und äusseren Wände ihres Alltags, oft bleiben sie ungehört. Gemeinsam mit ihren jungen Darstellern erzählen Yiğit und Prlić über und gegen das Abdriften in einem System, welches auf Ein- und Ausschlussprinzipien beruht.

«Die kleinen Geräusche der zerknallenden Blasen aus Plastikfolie, die Tony in seiner Ungeduld zusammendreht, die Zeit, die Knut sich manchmal für einen Satz nimmt, die Dosierung von Stille und Lärm: In diesem Timing liegt die poetische Qualität des Stücks begründet. Es nennt sich ‹Ein Warngedicht›, und wovor es warnt, ist unschwer zu erkennen: dass die Ängste vor der Abwertung wahr werden könnten, die den Schülern im Nacken sitzt und ihnen als Figur der Gegenwehr nur den Krieger anbietet, wie es im letzten, abschliessenden Gedicht ihres Stückes heisst.» (taz)

Tamer Yiğit und Branka Prlić wurde für «Warngedicht» der Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin zur Förderung des Kinder- und Jugendtheaters verliehen.
Eine Produktion des HAU Berlin, gefördert durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.


Im Anschluss an die Vorstellung vom 2. Juni findet um 21:30 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema «Theater–Migration–Jugend» statt:

Mit dem Projekt «fremd?!», dem Berliner Gastspiel «Warngedicht» und dem education-Projekt «Divertimento» setzt das Spot Festival einen Programm-Schwerpunkt, der sich mit den Themen Migrationserfahrung und kulturelle Diversität beschäftigt. Jugendliche erzählen in Theaterproduktionen ihre Geschichten und Erfahrungen, die sie im Kontext ihrer migrantischen Herkunft und ihrer gegenwärtigen gesellschaftlichen Umgebung machen. Im Zentrum der Podiumsdiskussion stehen künstlerische Projekte, die mit diesem Realitätsmaterial neue Formen und Ästhetiken für das Theater entwickeln und die Frage nach der Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung der Bildungs- und Kulturinstitutionen.

Mit:
Elena Makarova (Erziehungswissenschaftlerin)
Anina Jendreyko (Regisseurin, Projektinitiatorin «fremd?!»)
Tamer Yigit (Regisseur «Warngedicht»)
Sandro Lunin (Künstlerischer Leiter Theaterspektakel Zürich)